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Las Palmas
Dankbarkeit, Mitgefuehl und Demut
Nun bin ich krank. Mein Koerper, Fahrzeug meiner Seele, funktioniert nicht reibungslos.
Die Selbstverstaendlichkeit der Gesundheit, die Arroganz der Unverwundbarkeit und das Gefuehl der ewigen Jugend ist leicht angeschrammt.
Gut so. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Der Geist will ewig leben, aber das letzte Wort hat das Fleisch.
Mir ist schon immer aufgefallen, dass die Strassen Las Palmas voll von Menschen mit Gehbehinderungen, Blinden, Bettlern, Verkrueppelten oder Enstellten Menschen sind. Voller Menschen, die ein Schicksal ereilt hat, an dem sie keine Schuld tragen.
Blind geboren, von einem Auto ueberollt und enstellt, aidsinfiziert auf die Welt gekommen, von den Eltern verlassen und als Waisenkind geboren. Gerechtigkeit? Gottes Wille?
"Die Wege, ueber die Gott uns fuehrt sind unergruendlich", oder so aehnlich heisst es.
So viel ungerechtes Leiden, so viel Reichtum auf der einen Seite, soviel Armut und Hunger auf der Anderen. Gottes Wille?
Oder ist diese Welt, das Treiben der Menschen auf der Erde nichts anderes als das geile, gnadenlose, verwirrte, unergruendliche, sinnlose Leben und Sterben im Urwald des Amazonas. Das Kreischen der Affen ersetzt durch das verwirrte Gelabere ihrer Nachfahren. All dieses Gebrabble und vergaengliche Murmeln, eh nur suchend nach ein bisschen Liebe und Ruhe...
Den einen erwischts, in Form eines Lastwagens, der ihn ueberollt waehrendem er gedankenverloren an die letzte Nacht mit seiner Frau denkt, die er mehr liebt als sich selbst.
Eine Gruppe Jugendlicher stirbt einen unmenschlichen Tod (was soll ueberhaupt der Ausdruck unmenschlicher Tod? Grauenvoll zu Sterben soll wohl nur den minderwertigen Tieren zugemutet werden koennen oder wie?), in einer Feuersbrunst in einem Tunnel auf dem Weg zum Gipfel eines Berges, sich auf einen schoenen Tag in den Bergen Oesterreichs freuend. Aus, vorbei. Von einem Moment auf den Anderen.
Warum?
Gott wird es schon wissen, sagen die Alten, noch an die Lehre der Kirche glaubend. Keine Ahnung, Schicksal sagen die Jungen und Zweifelnden...
Ein dummes Schwein, ein schlechter Mensch, eine fehlgeleitete Existenz, durch seinen Ehrgeiz und seine Beziehungen an die Spitze des maechtigsten Landes der Welt gekommen, ordnet den Tod tausender Unschuldiger Zivilisten an. An was glaubt dieser Mensch. Er sagt, er handle im Sinne Gottes, welcher mit ihm sei. Er sagt das mit gutem Gewissen und das Schlimmste ist, dass er vielleicht sogar wirklich glaubt, was er da von sich gibt.
Am 20.April 1889 erblickt in Braunau ein weiteres einzigartiges Individuum namens Adolf das Licht der Welt - nur um Jahrzehnte spaeter fast die ganze Welt in einen Schatten des Wahnsinns und des Rassenhasses zu huellen. Millionen von Menschen entreisst dieser Oesterreicher ihr Leben aus den noch jungen und kraeftigen Haenden...
Ihre Strafe? Keine!
Jaja im naechsten Leben wird er seine Suenden ausbaden, sagen manche. Er wird in der Hoelle braten, sagen andere. Wer weiss das schon.
Ich weiss nur, dass viele Menschen in dieser Welt ungestraft Boeses tun. Tag fuer Tag. Auf den eigenen Vorteil bedacht, suechtig nach Macht, Aufmerksamkeit und Geld.
Ich weiss nur, dass taeglich Menschen verhungern, obwohl unsere Erde sie leicht ernaehren koennte.
Schmerzen, Leid, Ungerechtigkeit und Luege - die dunkle Seite der Menschheit.
Doch da ist ein Licht, das manche Menschen ausstrahlen. Ein Licht, dass staerker ist als der Schatten. Das mehr Macht hat als das Boese.
Die Menschen brauchen dieses Licht mehr als alles andere, um ihr Leben zu ertragen.
Gibt es einen Menschen (man koennte ihn Jesus nennen), der dieses Licht an alle bedingungslos verschenkt, so scharen sie sich um ihn und trinken aus seiner Quelle, wie Menschen, die nach einem wochenlangen Marsch durch die Wueste endlich in einer Wasser- und Schattenspendenden Oase angekommen sind...
Ok. Sorry, jetzt hab ich mal wieder leicht frei assozierend meinen Gedanken, die mir von irgendwas oder jemanden diktiert werden, das mehr ist als ich, freien Lauf gelassen...
Zurueck zu meiner Situation.
Mein verletzter Koerper lehrt mir Dankbarkeit fuer meine Gesundheit, Mitguehl fuer alle Kranken und Unterdrueckten und Demut vor dem mir geschenkten Leben...
Als ich heute einem Obdachlosen 40 Cent schenkte, getrieben von diesen Gedanken, wuenscht er mir Glueck und Gesundheit. Das ist eh schon alles was man als Mensch braucht, oder?
Denn ob auf "Gott" Verlass ist?
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Cafe Viena
Um 17h gehts direkt nach dem Fotoshooting mit Omar an meinen Hausstrand "las canteras". Wellencheck. Fazit: Wellen zu klein.
Alternativprogramm: zielloses Schlaendern durch die Strassen Las Palmas. Mal schaun wo ich meine Bilder entwickeln kann, wo es billiges und gutes "Gewand" gibt und als Nebeneffekt ein bisschen Maedels gustieren, welche in Las Palmas in Scharen, braun gebrannt und schwarz gelockt durch die Gegend schwirren...
Entlang des palmenbestueckten "paseos maritimos" entdecke ich zahlreiche "all you can eat" restaurants. 6 Euro der Preis. Dafuer bekommt man Miesmuscheln, Calamari, Huhn und was weiss der "Teifl" noch alles. Sehr gut. Den ganzen Tag ueber Hunger ansparen und dann dort zuschlagen. Ganz im Stile einer Folge der Simpsons, in der Homers bestialischer Appetit ein all you can eat lokal in den Ruin treibt werde ich in Las Palmas mein Unheil treiben.
Nach diesen gefraessigen Gedanken ist es Zeit fuer einen Cafe an der Plaza Espana. Die Kellnerin mit asiatischen Zuegen und Schlitzohr Grinsen, widmet mir dasselbige einige Male. Fein.
Weiter gehts in der spontanen Schlendersafari. Ich erspaehe ein oesterreichisches Lokal. Cafe Viena. Spontan geh ich mit einem verschmitzem Grinsen mal rein, denn ich erwarte mir eine deutsche Version der Speisekarte, welche mit lustigen Rechtsschreibfehlern und sonstigen Nachlaessigkeiten gespickt ist. Doch leider werde ich enttaeuscht. Die deutsche Version des Menues ist noch nicht fertig, da das Lokal gerade erst geoffnet hat. Herr Murauer und Frau Stiegel, meine zwei kalten Freunde sind schon im Anmarsch, verraet mir der Kellner im verraeterischem Slang. Sie befinden sich gerade auf dem Schiff Richtung Gran Canaria. Ich bin mir sicher sie werden auch ausser mir hier viele Freunde finden...
Das typische "LLL" klingt ganz im Stile Toni Polsters, oder eines in Velden urlaubenden Mundls durch den lauen kanarischen Abend...
Der Typ erinnert mich an irgendwen, denke ich mir, waehrend er versucht sein Leben in 4 Saetzen zusammenzufassen. Da hab ich es. Mein Jugendfreund Bernhard Tischler aus Moellbruecke, meinem Heimatort. Bei diesem Gedanken huscht mir glaube ich ein leichtes Grinsen ueber meinen Schauapparat...
Er hat Medizin studiert. War ihm zu schwer. Danach Flugbegleiter. Er hatte das Glueck gleich auf die Langstrecke zu kommen. Jaja man hat schon etwas Zeit, sich etwas anzusehen, denn bei vielen Fluegen muss man ein paar Tage auf den naechsten Auftrag warten... Ja und jetzt ist er halt hier gelandet. Grins grins...
Sie suchen noch Kellner. 6 Euro in der Stunde plus Trinkgeld. Ich will 8. Ich geb ihm meine Nummer. Samstag koennte ich schon anfangen. Da ich Spanisch, Englisch und Deutsch kann bin ich ja der perfekte Mann meint er.
Mal schaun, vielleicht mach ich das sogar. Auf jeden fall zahlt es sich immer aus, die eigenen 45 Waende zu verlassen und sich in den Strom der Massen zu schmeissen. Man weiss nie welche Moeglichkeiten so an einem vorbeitreiben und sieht man etwas was einem gefaellt, bueckt man sich halt und greift einfach aber fest zu...
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