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Die ersten Tage
Who the fuck is Reinhard
Mein Mitbewohner für 4 Tage hat heute nach 5 Monaten auf „der Insel“ sein letztes Glas Wein auf kanarischem Boden geleert, seine letzte „Kippe“ inhaliert, sein letztes Lachen gelacht…
Keine Ahnung wer er war – doch ich mochte ihn. Schade, dass ich nicht mehr Zeit hatte ihn kennen zu lernen.
Ich bin Zaungast in der WG in welcher 2 Italiener und 2 Deutsche zusammen eine einmalige Zeit verbracht haben, die so nie wieder zurückkehren wird. Ich höre die Abschiedsgespräche, die Versprechungen – wo man sich wieder sehen wird. Viel Glück, gute Heimreise… Es ist so als ob ich noch einmal die gleiche Abschiedssituation erleben durfte, wie damals als ich mich nach meinen 6 Monaten in der legendären Wohnung Avenida de Buenos Aires 9D, von meinen 2 italienischen Mitbewohnern und später dicken Freunden, verabschieden musste.
Die gleiche Szene. Nur Nuancen und die Persönlichkeiten sind unterschiedlich. Abschied ist menschliches Schicksal – Teil des Menschseins.
Es scheint fast so als wären alle die Verabschiedungen, all jene letzten Händeschüttlereien und Umarmungen Übungen für die letzte große Verabschiedung. Tröstende Gesten. Es schnürt einem das Herz zusammen und eigentlich will man diese Person, die man mühsam und zeitaufwendig nach langen und doch kurzen Monaten kennen gelernt hat, nicht missen.
Doch jeder geht „seinen Weg“. Folgt seinem Schicksal - und da wir nicht alle das gleiche Schicksal haben, trennen sich unsere Wege wieder.
Ein Mensch begleitet einen länger, ein anderer verlässt einen bereits wieder nach wenigen Tagen – manche kommen einem auf der Strasse entgegen und ihr Blick sagt dir: In einem anderen Leben, in einer anderen Variante von Realität könnte ich dein Freund oder deine Frau sein.
Egal der Zeitraum. Was zählt ist der Eindruck, der eine Person bei der zurücklässt. Die Spuren die er in deinem Herzen und deiner Seele hinterlässt.
.Jenes Stück, dass er dich dir selbst näher gebracht hat.
Ich als Zaungast, weißes Blatt Papier, potentielles Arschloch oder was auch sonst immer. Sie kennen mich nicht. Misstrauen und Abtasten steht ihnen ins Gesicht geschrieben, wenn man ganz genau hinsieht. Oder ist das doch nur Einbildung? Ich glaube nicht…
Mit Taten, Worten, Lachen, Nicht-Taten oder Gesten werden sie langsam merken wer ich bin. Doch das braucht Zeit, von welcher wir hier auf dieser Erde im Rückblick betrachtet nie genug haben. Warum dieses Misstrauen, diese Angst vor dem Fremden und Unbekannten. Wo doch schon allein die Gemeinsamkeit das menschliche Schicksal zu teilen, genug sein muss, um sich gern zu haben.
Die Freundschaft in der WG in der ich frisch aus der österreichischen Höhenluft abtauchte, scheint mir doch irgendwie banal und es kommt mir vor als hätten sie doch nicht mehr gemeinsam, als eben die selbe Wohnung für mehrer Monate geteilt zu haben. Sicher haben sie sich gern, jedoch jetzt um 2h morgens schlafen sie alle und haben den Abschied doch recht kurz und schmerzlos hinter sich gebracht. Kein Zusammensitzen bis zum Morgengrauen, geprägt von Gefühlsschwankungen zwischen Himmel und Hölle, Lachen und Weinen, Euphorie und Resignation. Kein Ankämpfen gegen das Unabwendbare. Keine schweigenden sekundenlangen Blicke in die Augen der scheidenden Freunde.
Ich bin froh über mein Zeit mit Fabrizio und Rocco und werde mir als Zaungast wieder bewusst, dass unsere Freundschaft etwas Besonderes war. Ein Zusammenfließen der gleichen Energien, ein Lachen aus einem Guß – Freundschaft, die nie enden wird….
Nie enden?
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Pizza und gratis Internet
Nach chaotischen kreuz und quer, verwirrtem vor und zurück bin ich jetzt wirklich „auf der Insel angekommen“ und habe mir inmitten des pulsierenden und hektischem Stadtlebens Las Palmas meine eigenen 4 Wände gesichert, in denen ich mich sicher und zu Hause fühle. Die Anzeige für diese Wohnung fand ich im Internet. Ich rief an. „Die Wohnung ist ganz einfach zu finden – gleich gegenüber dem Kinozentrum Galaxy. Kannst du gar nicht verfehlen“, klingt es verräterisch singend klingend aus dem Handy des Mitbewohner-Suchenden. Ein Italiener auf Erasmus in Spanien. Dejavú.
Man kann die Wohnung aber doch verfehlen. Erst nachdem ich 5x am Galaxy vorbei war und ich meine Suchmethode um das Abzählen der Hausnummern verfeinerte, erblickten meine überforderten Landei-Augen den ominösen Amüsierbetrieb Galaxy.
Auto abgestellt. Angeläutet. „Hola soy Thomas, estais buscando companero de piso, no?“. Am Tisch niedergesetzt, gleich stereotyp vom 2.Italiener eine selbstgemachte Pizza serviert bekommen, danach geraucht und über Fakten, Fakten, Fakten geredet.
Kaution: 187, Euro Miete: Dasselbe plus Betriebkosten im Rahmen von 15 Euro
nah am Fenster gibt’s sogar gratis Internet. Der Nachbar ist unbewusst so nett, dass er sein Signal bis ins unsere Wohnung verbreitet.
Klingt Ok und spontan sag ich gleich fix zu. Mein Vorgänger, ein Münchner, der nebenbei sein Geld als Radtaxifahrer in der Weißwurschtmetropole verdient fliegt am Mittwoch schon nach Hause. Bis dahin ist mein nächtlicher Lebensraum eine fette und gemütliche Couch.
Die erste Verwirrung und Unsicherheit ist vorbei. Wie es in der Natur des Menschen liegt ist man froh, wenn man in Mitten der Fremdheit einen Ort hat, wo man sicher vor imaginären und realen Gefahren ist.
Das erste Stück Unbekanntes und Unvorhersehbares hat sich in Realität verwandelt. Ich weiß jetzt, wo ich wohne, wie mein Zimmer aussieht und wie meine Wohnungskollegen so drauf sind. Der eine der Organisierende, Planende, der andere das verwirrte Genie, der Dritte der völlig drogensüchtige Sizilianer.
Ruhig Blut - seine Droge wächst auf den Kanarischen Inseln und dort am besten am weltbekannten, windumtosten Strand „Pozo Izquierdo“ und kann nur mittels EINES Hilfsgerätes geerntet werden: ein Surfbrett plus diverser Segel.
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