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Wohnungssuche
2 Invalide Surfer
Mein Wohnungskollege und jeden Tag dickerer Freund (zurzeit wiegt er 68kg) ist suechtig.
Nicht nur suechtig nach Palatschinken, sondern vor allem nach Windsurfen...
Der eine checkt taeglich den Wind, der andere die Wellen im Internet.
Wir sind suechtig. Wir wissen es und wir haben kein Problem damit, es zuzugeben...
Seit 2 Wochen leben wir nun ohne unsere Droge.
Wenn wir nicht sobald wie moeglich wieder Zugriff auf unser heissgeliebtes Adrenalin, auf das Ausschalten des Geistes, die Momente ohne Denken, ohne Probleme und ohne Stress haben, wird es mit uns hier schlimm enden.
Die Entzugserscheinungen machen sich immer drastischer bemerkbar.
Ich bin in der Arbeit nervoes, schwitze mehr als sonst und klage ueber Kopfschmerzen, die ich ansonsten nur von "fauchenden Kater" nach durchzechten Naechte kenne.
Mikele, mein Windsurf-Suechtiger Freund, leidet an aehnlichen Symptomen. Nervositaet, Schlaflosigkeit und Uebelkeit.
Heute, nachdem er um runde 7 Euro Lebensmittel elegant zubereitet und spaeter verspeisst hat, musst er sich aus Nervositaet und Schwindelgefuehlen spontan im Gang uebergeben.
"Thomas ich hab gspieben. Ich muss so schnell wie moeglich wieder ins Wasser. Mir fehlt meine Drogen. Adrenalin. Ich kann nicht mehr," klingt es aus dem uebel riechendem Gang.
Aus einem Ueberschuss an Energie hatte ich gerade begonnen, die Kueche aufzurauemen und entdeckte in dunklen Ecken so manche Relikte, die wohl einst Christopher Kolumbus auf die Insel brachte, als er vor ein paar hundert Jahren Halt in Las Palmas machte (leichte Uebertreibung).
Mir roten Augen und wackligen Gang schaut mich mein neuer Kumpel an, den ich jetzt schon vermisse, wie immer wenn ich einen Menschen besonders gern habe.
Gottseidank ist er jetzt endlich ins Bett gegangen und quaelt sich in seinem bemittleidenswerten Zustand, der leicht an den Zustand des Hauptdarstellers von Trainspotting erinnert (genauer in den Szenen, in denen ihn seine Eltern zum Drogenentzug zwingen und in den eigenen 4 Waenden einsperren), nicht mehr durch die Zimmer.
Ich kann auch nicht mehr ohne surfen. Jeden Tag ohne dieses "mich-selbst-Ausschalten" in den Wellen, vor meiner Haustuer, wird mir klarer, wass eigentlich der Grund ist, der mich so weit weg von meiner geliebten Heimat trieb.
Das Surfen und "nada mas" (und nichts anderes).
Die Stunden nach dem letzten "Surf", waren zugleich wieder Stunden vor dem naechsten feuchtem Rendevouz.
Unverwundbar schritt ich durch all die Probleme und den Stress in der Arbeit, da mich alles nur peripher tangierte.
Ich war konzentriert und relaxt zugleich. Ruhte mehr in mir selbst und konnte ueber in einem unangenehmen Augenblick, mehr Abstand von der Gegenwart nehmen und in meinen Gedanken bereits, die naechste Welle nehmen...
Heute hab ich in der Apotheke um 16 Euro zugeschlagen. Gut investiert in die eigene seelisch und koerperliche Gesundheit.
Und an dieser Stelle kann ich gleich eine kleine, aber feine Neuigkeit verraten, welche mir das Warten auf das Surfen noch weiter erschwert...
Seit 1 Woche steht in meinem Zimmer ein fast nagelneues, neues Surfbrett. Groesse: 6,4 U(fuer die, die sich auskenennen). Darueberhinaus wartet noch eine wasserfeste Kamera auf mich, welche ich ebenso kaueflich erwarb...
Bis zum Wochenende bin ich wieder fit, sagt mein Geist zumindest.
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